„Hab’ ich euch damals nicht davor gewarnt die verseuchte Brühe zu trinken? Ihr habt nicht auf mich gehört und darum seid ihr jetzt eine Horde stummer Idioten!“
Ehrfürchtig schloßen sich mehrere Filmwebsites zusammen um gemeinsam im Quartals-Rhytmus schreckliche Schlachten zu schlagen. Meine Damen, meine Herren…wir präsentieren ihnen: Die Ritter der Schwafelrunde!
Ein Thema! Sechs Webseiten! Keine Furcht!
Heutiger Quest (01.12.2010): „Atombomben und Autowracks!“
Die Apokalypse zwischen Dosenbier-Delirium und Make-Up-Massaker!
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Neutronenbombe. Narf.

Stimme aus dem Off: „Wir wussten alle von der Existenz der Waffe, aber wir hofften, dass sie nie zum Einsatz kommen würde: die Neutronenbombe. Ihre Wirkung war verheerend. Gegenstände und die Vegetation wurden zwar verschont, aber nahezu alle Lebewesen, wie Menschen und Tiere, wurden nahezu ausgelöscht. Ratten und Ungeziefer wurden von der Katastrophe am wenigsten betroffen. Aber wie bei allem auf der Welt, hat es auch Ausnahmen gegeben. Ja, auch ein paar von uns sind durchgekommen. In Europa, in Amerika, in Asien und in Afrika. Einsame Menschen, die allein oder in kleinen Gruppen leben. Hier und da auch ein paar Tiere. Vögel – und natürlich das Ungeziefer. Die Gebiete, in denen noch Leben existiert, nennen wir die Überlebenszonen. Die, die noch übrig geblieben sind, stammen aus fast allen Gesellschaftsschichten. Es sind junge und alte, gute und schlechte Menschen.“
Die Welt wurde wieder einmal die Kloschüssel heruntergespült, diesmal allerdings mit weniger weitreichenden Folgen als wir es von anderen Genrekollegen gewohnt sind. Denn die Mächtigen dieser Welt haben keine Atombomben aufeinander abgeschossen, sondern Neutronenbomben. Bedeutet: Menschheit weg (fast), Hütten da (yeah!). Denn Neutronenbomben besitzen die unfassbare und kaum in Worte zu fassende Möglichkeit alles Leben auszuradieren, ohne das dabei Gebäude, Gebrauchsgegenstände und Gartenanlagen zu Bruch gehen. Im Falle eines Eroberungskrieges eine recht pfiffige Idee. Zu mal der nukleare Fallout sich damit auch erledigt hat. Im Falle eines Endzeit-Films unter akkutem Budgetmangel sogar eine brilliante Idee, spart man sich dch so aufwendige Kulissen von zerstörten Großstädten. Obwohl…eigentlich könnte das auch bedeuten, dass nicht mal die Kohle übrig war, um zum nächstgelegenen Industriegelände zu fahren…ach, scheiße…
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In dieser Welt zwischen Wald und Wiese haust der nette und gut-gebaute (oder gute und nett-gebaute) Adam Strong (jetzt schon gefühlte zehn Schädel für den Charakternamen…). An seiner Statur erkennt der Filmfreund bereits seine heldenhafte Funktion im vorliegendem Werke. Und ein wahrer Heros wird hier auch gebraucht – auch wenn dieser sich ebenfalls genretypisch eher als unfreiwilliger Held zu erkennen gibt. Denn die post-apokalyptischen Lande, in denen ja nur die Starken überleben (sacht ja der Filmtitel schon, ne…), lassen keine Schwächen wie Empathie oder Mitleid zu. Aber wenn man diese Schiene fahren würde, wäre der Streifen nach 5 Minuten zu Ende. Müsste man sich dann ungefähr so vorstellen…
Visit to an alternative movie universe…

Aber natürlich ist unser Held hier weitaus vielschichtiger (naja, ne, eigentlich nicht, aber irgendiwe muss die Handlung ja vorrangetrieben werden…). Und so knallen mit 30 PS Minimum die Fieslinge ins Bild, die alles und jeden bedrohen. Wenn sie ihn vorher nicht vergewaltigt und/oder umgebracht haben (Reihenfolge dürfte egal sein – ja, so fies sind die…). Auf ihren Mopeds knattern sie über die verlassenen Landstraßen, bringen sich in Gladiatorenkämpfen schon einmal gegenseitig um und tragen abgeschnitte Puppen-Köppe als Kriegsschmuck. Angeführt werden sie von einem Barträger auf dessen Kutte der Name Big Man gestickt ist. Und dieser versteht keinen Spaß, begründet sich seine Herrschaft doch auf ein authoritäres System, welches eine unheilvolle Symbiose mit dem menschenverachtensten Verhaltensweisen eingeht (frei nach dem Motto: „Shock and awe“ – dann kommt auch keiner auf die Idee, ihm ans Bein zu pissen).
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Diese Schweine sind sogar so fies, dass sie ein Kloster überfallen, die Nonnen vergewaltigen und töten (oder halt andersrum) und danach verspeisen. Tja, Kannibalen sind sie auch noch. Und Umweltsünder – Kat haben ihre Mopeds sicherlich nicht. Ach, ja. Da wäre noch die Sache mit den Mutationen. Außer Big Man kann niemand sprechen. Ach, fragt nicht warum.
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Big Man: „Hab’ ich euch damals nicht davor gewarnt die verseuchte Brühe zu trinken? Ihr habt nicht auf mich gehört und darum seid ihr jetzt eine Horde stummer Idioten!“
Es ist nur eine Frage der Zeit bis alle Fraktionen zusammenknallen – und Adam Strong seine wahre Kraft zur Unterhaltung des Zuschauers darbieten darf. Denn die fiesen Rocker bedrohen eine Familie, die, die direkten Endzeit-Klone der Waltons sein könnten. Vielleicht liegt Adam Stones Interesse auch nur an der hübschen Mutter der Familie, die jung und frisch über die apokalyptische Leinwand tänzeln darf.
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Irgendeinen Grund muss es aber haben, dass Adam Strong dem Big Man die Rübe mit ’ner Schaufel abhaut…bin mir bloß nicht sicher welcher…

Ich erinnere mich schwach: irgendwann Ende der 90er schloß eine Videothek mit dem brachialen Namen Video Action seine Pforten. Traurig, keine Frage – dennoch stellt eine Videotheken-Aufgabe für Fans des abseitigen Spielfilms immer eine Goldgrube dar. Der Grund hierfür dürfte offensichtlich sein. Aus den miefigen Kellern werden abgeleierte VHS-Bänder geholt und zu einem Witz-Preis verscherbelt. Eines dieser abgeleierten Bänder war „1994 – Nur die Starken überleben“. Da ich damals noch unter dem Ditat des Tachengelds stand, musste ich die Qual der Wahl über mich ergehen lassen und einige Filme aussortieren. Dazu zählte auch besprochenes Werk. Welch grausame Entscheidung ich treffen musste. Als ich nach einigen Tagen mit weiteren Moneten zum Ort des Verkaufes zurückkehrte, war der Film bereits vergriffen. Und seitdem von mir nicht mehr gesehen. Mehr als 10 Jahre später erhielt ich glücklicherweise Zugriff auf diese Werk – eher durch Zufall und knnte eine Wissenslücke schließen. Es gibt zweifelsohne hunderte fragwürdiger Endzeit-Schinken, die de facto ein und dieselbe Story herunterspulen, aber „1994 – Nur die Starken überleben“ gehört zweifelohne zur gehobenen Klasse. Nicht aufgrund seiner Qualität, sondern lediglich aufgrund seiner Verbreitung. Die Ernüchterung kam nach wenigen Minuten…
„1994 – Nur die Starken überleben“ ist kein großer Wurf – da brauche wir uns nicht viel vormachen. Das reißerische Cover verspricht einiges – zum Beispiel genretypische Action – der Film hingegen dümpelt etwas vor sich hin. Gut, Genre-Fans wissen, dass die grafischen Anpreisungen auf einem VHS-Cover mit der filmischen Realität in der Regel nicht viel zu tun haben. Von daher ist man auch dementsprechend vorbereitet mal eben enttäuscht zu werden. Es ist nicht so, dass der Film langweilig wäre, eben nur langwierig. Man weiß was passiert, es wird der gandenlose Standard heruntergekurbelt. Auch dies ist nicht mal schlimm – viele Kollegen auf dem Gebiet des Endzeit-Films machen es nicht anders. Doch diese warten wenigstens mit teils absurden Ausschmückungen aus. Auf den Dächern ihrer Karren werden Bazookas gepflanzt, trotz des Untergangs der industriellen Welt, scheint die Make-Up-Industrie fröhlich weiterzuproduzieren – und wenn gar nichts mehr geht, knallt einfach eine dritte Partei ungefragt in den Film (Mutanten – oder – naja, radioaktiv-verseuchte Knetgesichter, halt…). „1994 – Nur die Starken überleben“ bietet dies alles nicht. Selbst aus der eigentlich recht pfiffigen Idee, Neutronenbomben für den Untergang der Menschheit verantwortlich zu machen, wird keinerlei Kapital geschlagen. Keine einsamen Spaziergänge durch Großstadtschluchten, keine wilden Fahrten über verlassene Highways. Nur Wildnis und Einfamilenhäuser. Naja, dafür immerhin Rocker. Denn der Film unterhält gewissermaßen im Detail. Das große Ganze kann mit seinen Genrekollegen nicht mithalten, dennoch gibt es genug kleine Stellen, die einem ein Schmunzeln abringen. Die finale Enthauptung des Bösewichts stellt hier den Höhepunkt dar – denn mit einer dermaßen grotesken Gewaltdarstellung konnte keiner so richtig rechnen.
Fatality:
„1994 – Nur die Starken überleben“ ist kein schlechter Endzeit-Klopper, aber eben auch kein guter. Es ist einfach nur einer von sehr vielen.
‐ Markus Haage